EHEC und HUS

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden in den USA verotoxinbildende Escherichia coli (VTEC), die auch als enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) bezeichnet werden, isoliert. Früher nahm man an, dass Escherichia coli zwar gute Indikatorbakterien für fäkale Verunreinigungen sind, ansonsten aber gesundheitlich nicht gefährlich wirken, da der Mensch sie in millionenfacher Anzahl in seinen eigenen Darm trägt. Inzwischen weiß man aber, dass etwa 10 bis 100 EHEC beim Menschen bereits zu Erkrankungen führen können. Die hauptsächlichen Krankheitsbilder sind wässrige Durchfälle mit Erbrechen, Blutbeimengungen im Stuhl und Bauchkrämpfe. In bis zu 10 % der Fälle kann es zu einem durch Anämie und akutem Nierenversagen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) kommen, das in 5 bis 10 % der Fälle tödlich verläuft. Die Übertragung findet häufig durch Lebensmittel wie zum Beispiel Rinderhackfleisch, Salami, Mettwurst, Rohmilch oder ähnliches statt. Aber auch Trink- und Badewasser sind Infektionsquellen. Im Jahr 2000 kam es durch EHEC in der kanadischen Stadt Walkerton zu einer Epidemie über das Trinkwasser, wobei von 6.000 versorgten Personen 2.300 an schweren Durchfällen erkrankten und 18 daran verstarben.


Positiver E. coli-Nachweis im UV-Licht

Bei bayerischen Trinkwasseruntersuchungen konnten im Jahre 1997 noch keine EHEC gefunden werden. Im Jahre 1998 tauchten sie erstmals in Einzelwasserversorgungen und 1999 in öffentlichen Wasserversorgungen auf. Besonders häufig kamen sie in Karst- und Kluftwässern vor. Die Anzahl der Nachweise war insgesamt zwar noch sehr gering, vor allem in den öffentlichen Wasserversorgungen, aber das Beispiel zeigt, dass man sich auch in der Trinkwasserversorgung nicht auf dem Erreichten ausruhen kann. Wie in der Medizin, wo man gegen die zunehmende Resistenz der Krankheitserreger gegen Antibiotika und andere Gegenmaßnahmen ankämpft, muss man auch in der Trinkwasserversorgung mit der Weiterentwicklung der Krankheitserreger rechnen und entsprechende Abwehrmaßnahmen erarbeiten. Einer dieser Wege ist die in der Trinkwasserverordnung geforderte Errichtung von Aufbereitungsanlagen mit gegebenenfalls nachgeschalteter Desinfektion ( 5 Absatz 4 TrinkwV).

In der jetzt im Jahre 2011 aktuellen Epidemie scheint das Trinkwasser zwar keine Rolle zu spielen, man sollte aber darauf achten, dass das Wasser, welches man zur Bewässerung und Behandlung von Lebensmitteln (z.B. zum Bewässern und Reinigen von Gemüse, Keimlingen und Salat) benutzt, Trinkwasserqualität aufweist.

Angemessene Warnung oder Panikmache

Eine der unangenehmsten Aufgaben für die zuständigen Stellen ist die Warnung oder die Information der Verbraucher bei einer möglichen Gesundheitsgefährdung. Grund ist die unterschiedliche Reaktionsweise der Verbraucher auf entsprechende Meldungen. Wird eine Warnung mit Empfehlungen oder gar Nutzungsverboten ausgesprochen, und es passiert schließlich nichts Außergewöhnliches, so wird mancher Verbraucher die Überwachungsbehörden kritisieren und sagen, das wäre nur Panikmache gewesen. Man hätte viel Aufwand wegen nichts betrieben. Möglicherweise bemühen auch einige wirtschaftlich Betroffene die Rechtsanwälte. Wird aber nicht rechtzeitig oder umfassend genug gewarnt und es kommen Verbraucher zu Schaden, dann ist der öffentliche Druck auf die Überwachungsbehörden außerordentlich hoch.

Man kann nur hoffen, dass die zuständigen Überwachungsbehörden in Abwägung aller ihr zur Verfügung stehenden Umstände und Informationen die richtigen Maßnahmen treffen und dass die Verbraucher auch Verständnis für Maßnahmen aufbringen, die eher Vorsorgecharakter als konkrete Abwehrhandlungen haben. Denn Geld und Zeit ist leichter zu verschmerzen als schwer erkrankte oder gar tote Verbraucher. Dennoch sollten sich die Behördenvertreter im Klaren darüber sein, welche Tragweite ihre Warnungen haben könnten, vor allem, wenn sie nicht durch entsprechende Untersuchungsergebnisse gestützt werden.

Zusätzliche Informationen

Enterohaemorrhagische Escherichia coli (EHEC)
Quelle: Wikipedia Internetlexikon

Fragen und Antworten zu EHEC
Quelle: Internetseite des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu EHEC

Infektion und Verbreitung von epidemiologisch bedeutsamen Erkrankungen (mit Beispielen zu EHEC)

Weitere Literatur zur Thematik

EHEC und die Erfahrungen eines Verbrauchers
Quelle: openPR-Artikel des Autors dieser Seite

Ratgeber Infektionskrankheiten 6. Folge: Infektionen durch Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)
Quelle: Internetseite des Berliner Berufsverbandes der Gesundheitsaufseher/Hygieneinspektoren e.V. (BBGH)

Essen gefährdet Ihre Gesundheit
Quelle: ARD - Hart aber fair Mediathek (Sendung vom 15.06.2011 mit Informationen zu EHEC)

Dem EHEC-Erreger auf der Spur
Quelle: ARD - Mediathek (Sendung vom 20.06.2011)

EHEC-Alarm im Erlenbach
Quelle: ARD - Mediathek (Sendung vom 20.06.2011)

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